Die Feuerzangenbowle von Heinrich Spoerl und Hans Reimann, gelesen von Götz Alsmann

Die Feuerzangenbowle, gelesen von Götz Alsmann

Cover: Die Feuerzangenbowle

Das Original, auch nach 76 Jahren noch frisch. Da sage einer, die Deutschen hätten keinen Humor!

* Wertung: *****
* Hörbuch
* Sprecher: Götz Alsmann
* liest in verteilten Rollen
* Anzahl CDs: 5
* Verlag: Roof Music
* Erscheinungsjahr: 2003

Das Hörbuch
Nun, wir alle kennen die Feuerzangenbowle in der Verfilmung von Helmut Weiss mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle und als Produzenten. Deshalb verzichte ich hier auf eine Inhaltswiedergabe. Wer die Feuerzangenbowle nicht kennt, sollte sich dieses Schmankerl schnellstens zu Gemüte führen!!!

Das zu Grunde liegende Buch hatte ich schon einmal in der Oberterzia gelesen (in der Neunten, für die, die kein altsprachliches Gymnasium besucht haben), allerdings war nicht viel davon hängengeblieben. Zeit also, sich noch einmal an die Feuerzangenbowle zu wagen. Dies auch deshalb, weil wir zwar heutzutage mit fünfzehn schon weiter entwickelt sind als die Buben in den Dreißiger Jahren, doch braucht es einen gewissen Abstand, um sich dem unkomplizierten Leben in der Schule bewusst zu sein und eine Sehnsucht zu entwickeln – auch romantische Verklärung genannt 😉

Berufsleben, Liebe, Heiraten, Kinder, viele Zusammenhänge im Buch waren mir erst jetzt, beim zweiten Lesen (=Hören) bewusst. Ganz abgesehen davon, dass mir der Humor auch nicht in Erinnerung geblieben ist. Dies ist wahrlich wieder eins dieser Bücher, das einen in der S-Bahn zu Lachanfällen verleitet – und man damit unangenehme Blicke der müde von der Arbeit heimkehrenden Bevölkerung erntet 😀

Noch eine kurze Anmerkung:
Ungeklärte Autorenschaft
Eine Anmerkung zur Autorenschaft darf hier nicht fehlen: es scheint so, also ob Heinrich Spoerl nicht der alleinige Autor, womöglich noch nicht einmal der Hauptautor der Feuerzangenbowle ist. Dies kann wohl Hans Reimann für sich beanspruchen. Hans Reimann wollte allerdings aus Angst vor Repressionen – er war als Satiriker schon in’s Schussfeld der Nazis geraten –  nicht als Autor erscheinen. Wer sich genauer informieren will, findet in der taz vom Januar 2007 einen ausführlichen Artikel.

Eine weitere Anmerkung sei mir erlaubt: der in der Verfilmung von 1944 – also der allseits bekannten – an hervorgehobener Position agierende schneidige Oberlehrer Dr. Brett ist ein Zugeständnis an die Nazizeit, was sich auch in seinem Aussehen, der Ähnlichkeit zum frühen Hermann Göring zeigt. Im Buch tritt die Figur des Dr. Brett nur marginal in Erscheinung.

Götz Alsmann als Sprecher
Hervorragend! In den ersten paar Sätzen merkt man ihm noch eine gewisse Nervosität an, das gibt sich jedoch schnell. Man nimmt ihm, auch aufgrund seiner bekanntermaßen schelmischen Art, die Rolle des Hans Pfeiffer sofort ab, auch den anderen Akteuren haucht er Leben ein. Mit Herrn Alsmann haben die Produzenten eine hervorragende Wahl getroffen, zumal er jeder der vier CDs auch noch mit eigenen Musikstücken ausklingen lässt.

Fazit
Äußerst empfehlenswert, leider gibt es nicht mehr so gut und kreativ produzierte Hörbücher. Ein hervorragender Sprecher, die Erweiterung um Musik, eine handwerklich saubere Produktion, ein Stoff, der zu den herausragenden der deutschen Literatur zählt, eine absolute Kaufempfehlung!

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