Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach

Cover: Die Stadt der Träumenden Bücher

Cover: Die Stadt der Träumenden Bücher

Terry Pratchett trifft „Wo die Wilden Kerle wohnen“ – einfach umwerfend!!!

  • Hörbuch
  • Ein Sprecher (Dirk Bach)
  • Sprecher liest in verteilten Rollen
  • Anzahl CDs: 14
  • Sprache: deutsch
  • Hörbuch Hamburg, 2005
  • Wertung *****

Walter Moers hat schon mehrmals bewiesen, dass er ein vielseitiges Genie ist: Käptn Blaubär und Das kleine Arschloch sind beide unübertrefflich und einmalig, besitzen aber doch recht wenig Schnittstellen, was von der Vielseitigkeit von Walter Moers zeugt.

Weiterhin muss man zu den Moersschen Werken auch noch wissen: die Rechte für Käptn Blaubär liegen beim NDR, die Rechte für Das kleine Arschloch beim Eichborn Verlag.

Der Weg nach Zamonien
Was macht man also, wenn man kein Recht an seinen Hauptwerken hat, aber eine ungebremste Phantasie? Man entwickelt einfach eine Idee weiter: die neuen Bücher von Walter Moers spielen alle in Zamonien, der Welt von Käpt’n Blaubär, die er für Erwachsene weiterentwickelt.

Und es schadet nicht wirklich, dass Moers sich nicht weiter mit Blaubär beschäftigt. „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ war ein gutes Buch (vielleicht schreib ich da auch noch ne Rezension), aber was danach kam, ist definitiv noch besser.

Das Hörbuch
Dies hier ist also die erste Rezension eines Moers-Buch vom Kontinent Zamonien.
In der Stadt der träumenden Bücher werden die Abenteuer des jungen Lindwurms Hildegunst von Mythenmetz in der Stadt der träumenden Bücher, Buchheim, erzählt. Begegnungen mit Buchjägern, durchgeknallten Haifischmaden, die die Weltherrschaft anstreben, geheimnisvoller Trompaunenmusik sind an der Tagesordnung.
Es ist für den Rezensenten einfach unmöglich, die Stimmung und vor allen Dingen die Kreativität von Moers in einem kurzen Absatz wiederzugeben, ich müsste fast das gesamte Buch zitieren.
Deshalb beschränke ich mich auf die Wiedergabe einer Auswahl von Autoren und ihrer Werke, die Moers beiläufig einstreut. Meines Erachtens der beste Spiegel der Kreativität Moers’.

Hildegunst von Mythenmetz ist in Buchheim angekommen und sieht das erste Mal all die Bücher in den Auslagen der Antiquariate (beim Hören mitgeschrieben, also keine Garantie für die Schreibweisen 😉 ):

Da!, „Der Tiger in der Wollsocke“ von Caliban Sykorax, Erstausgabe. Da!, „Die rasierte Zunge“ von Andrastea Synopa mit den berühmten Illustrationen von Eliho Wippel. Da! Die „Mäusehotels“ von Wellfleisch. Der legendäre humoristische Reiseführer von Jodler van Hinnen in tadellosem Zustand. „Ein Dorf namens Schneeflock“ von Pallisaden-Honko, die vielgepriesene Autobiographie eines dichtenden Schwerverbrechers, in den Verließen von Eisenstadt geschrieben, mit einer Signatur aus Blut. „Das Leben ist schrecklicher als der Tod“, die hoffnungslosen Aphorismen und Maximen von P.H.T. Farzewohl, in Fledermauspelz gebunden. Die Ameisentrommel von Sansemina von Geisterbahner, in der legendären Spiegelschriftausgabe. „Der Gläserne Gast“ von Zodiak Glockenschrei. Hampo Henks experimenteller Roman „Der Hund, der nur im Gestern bellte“ lauter Bücher, von deren Lektüre ich träumte, seit Danzelot mir davon vorgeschwärmt hatte.

Die Phantasie hinter diesen Namen ist schier unglaublich. Der Rezensent wurde des Öfteren in der U-Bahn seltsam angeschaut, da ihm wieder ein Lacher über eine überraschende Pointe entwich.

Dirk Bach, ewig unterschätzt
Nur die Textstelle zu zitieren, ist nur die halbe Miete. Denn unterstützt wird die Moers’sche Komik durch Dirk Bach, der die Sprache übernimmt.
Man stellt beim Hören fest, dass Dirk Bach wahnsinnig unterschätzt wird. Oder zumindest alles dafür tut, dass man ihm eine solche schauspielerische Glanzleistung wie die Lesung der „Träumenden Bücher“ nicht zutraut.

Jeder weiß ja, wie Dirk Bach aussieht. Trotzdem versteht er es, den Charakteren einen solchen Umfang von überzeugenden Stimmen zu geben, dass ich mir zwischendurch beim besten Willen keinen Dirk Bach hinter der der Rolle mehr vorstellen konnte, unglaublich! Und die Vielfalt der verschiedenen Stimmen, man merkt hier den Profi.

Ich muss dazu sagen, dass ich Dirk Bach nicht immer für den richtigen Sprecher halte. In den Terry-Pratchett-Vertonungen entspricht sein Stil nicht dem, was ich für kanonisch halte, da bin ich die trockene britische Lesart von Steven Briggs gewohnt.

Es ist aber so, hier passt alles: mit Dirk Bach hat sich der bestmögliche Sprecher für Walter Moers gefunden, da bin ich mir ganz sicher!

Fazit
Kaufen, kaufen, kaufen – wie unter dem hypnotischen Zwang der Trompaunenmusik sollt ihr sofort losstürzen und euch diese 14 CDs zulegen. Es führt kein Weg daran vorbei.

Euer Sir Charles Lytton

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3 Gedanken zu „Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach

  1. Ein tolles Buch aber als ich mir das Hörbuch fürs Auto kaufte war ich entsetzt. Dirk Bach ist einfach nicht fähig ohne seine übertriebene künstliche Art dieses so spannende und gut geschrieben Buch rüberzubringen.
    Er überbetont, setzt fast überhaupt keine Pausen, übertreibt masslos und setzt dauernd Spannungsmomente ein für Szenen die es überhaupt nicht gibt.
    Aber dies passt zu Dirk Bachs übertriebener Persönlichkeit. Ich frage mich nur wieso Lektoren so einen Fehlgriff bei der Auswahl machen konnten. Ich denke hier ging es weniger darum das Buch passend rüberzubringen sondern eine Medienshow zu machen indem man eine bekannte Persönlichkeit benutzt die für so etwas nicht geeignet ist.

  2. Hi Mark,
    ich denke einfach, an Dirk Bach scheiden sich die Geister. Ich persönlich finde ihn als Besetzung genial, aber dass er polarisiert, ist schon ziemlich klar.
    Also ich bewundere den Mut des Verlags, sich für die provokantere Lesung durch Dirk Bach zu entscheiden.
    Was du auf keinen Fall kaufen solltest, sind die Terry Pratchett-Bücher mit Dirk Bach, da ist er nämlich auch in meinen Augen eine Fehlbesetzung.
    Beste Grüße,
    Sir Charles

  3. Pingback: Moers - Blog - 24 Jul 2009

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