Nordermoor von Arnaldur Indridason, gelesen von Frank Glaubrecht

Cover: Nordermoor von Arnaldur IndriadasonBesser als Menschensöhne! Indridason – oder sollte ich in skandinascher Duzmanier sagen, Arnaldur hat sich in seinem dritten Werk gegenüber seinem Erstling deutlich  gesteigert. Durchaus spannend – zumindest nach der 2. CD 😉

* Hörbuch
* Ein Sprecher: Frank Glaubrecht
* Sprecher liest nicht in verteilten Rollen
* Anzahl CDs: 4 (gekürzt)
* Sprache: deutsch
* Lübbe Audio, 2006
* Wertung:  ****

Inhalt
Ein älterer Mann wird  mit einem Aschenbecher erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden, ein weiterer Mord tritt später zu Tage.
Kommissar Erlendur Sveinsson sucht die Ursache der Morde in Geschehnissen, die in den Sechzigern passierten.

Durchaus glaubhaft inszeniert Arnaldur Indridason die Aufarbeitung der Motive der Täter und der Opfer, wobei die Grenze zwischen beiden nicht immer so eindeutig ist.

In einer zweiten Ebene beschäftigt Arnaldur sich wieder mit den privaten Problemen des Kommissars, seine drogensüchtige Tochter ist schwanger. Im Gegensatz zu Menschensöhne wird diese Ebener glaubwürdiger, menschlicher, ohne allzu große Sprünge analysiert.

Der Sprecher
Frank Glaubrecht liest in seiner trockenen Art (er ist die Stimme von Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere), die dem tristen, von Arnaldur Indridason vermittelten Bild von Island entspricht.
Leider finde ich – aber das ist mein persönlicher Geschmack, dass seine extreme Stimme das Lesen mit verteilten Rollen erfordert – nur so kann allen Charakteren ein glaubwürdiger Auftritt verschafft werden.

Fazit
Hörenswert für Vielhörer. Für Leute mit wenig Zeit würde ich, wenn es Skandinavien sein soll, eher Hakan Nesser oder Henning Mankell empfehlen.

Viel Spaß beim Hören,
Sir Charles Lytton

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Menschensöhne von Arnaldur Indridason, gelesen von Frank Glaubrecht

Cover: Menschensöhne von Arnaldur Indridason

Cover: Menschensöhne von Arnaldur Indridason

…hmmm, ja, also war ganz nett, ich hab’s wenigstens bis zum bitteren Ende gehört. Isländischer Charme ist eben doch was ganz besonderes.

* Hörbuch
* Ein Sprecher: Frank Glaubrecht
* Sprecher liest nicht in verteilten Rollen
* Anzahl CDs: 4 (gekürzt)
* Sprache: deutsch
* Lübbe Audio, 2005
* Wertung:  ***

Inhalt
Kommissar Sveinsson jagt einem Verbrechen nach – ok, das in Krimis nix besonderes 😉 Also nochmal: ein Mord an einem Lehrer, der Selbstmord eines ehemaligen Schülers in der Nervenklinik und eine ungeklärte Verbindung zwischen den beiden. Experimente mit Schülern, Pädophilie, Drogen, Indriadson dreht also in seinem Erstlingswerk (in Deutschland als fünftes Buch erschienen) voll auf.

Die Geschichte spielt in mehreren Ebenen, einmal der kriminalistischen Ebene und dann gibt es das Privatleben von Erlendur (ja klar, die duzen sich da alle!).

Insgesamt alles ganz nett, leider fehlt mir ein bisschen Fleisch auf den Knochen, womöglich liegt das an den Kürzungen im Verhältnis zur Leseausgabe. Sprünge und – vor allem im Privatleben Erlendurs – abrupte Brüche trüben das Wasser der isländischen Geysire.

Ganz abgesehen von dem etwas phantastischen Ende. Ich sag hier nix, keine Spoiler von mir, aber Michael Crichton wäre wohl besser damit umgegangen.

Die Produktion
Professionell, nur ganz kleine Fehler und Holperer. So sind z.B. die Pausen zwischen den Szenewechseln einfach zu kurz. Da Frank Glaubrecht nicht in verteilten Rollen liest, fühlt man sich manchmal verloren, bis einem ein Licht aufgeht, wer jetzt gerade redet. Ein-zwei Versprecher oder unnötige Pausen hätten auch noch ausgemerzt werden können. Aber jut, das kann auch nach dem dritten Schnitt noch passieren, da mache ich den Produzenten keinen Vorwurf draus, irgendwann muss einfach Schluss sein.

Der Sprecher
Frank Glaubrecht ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands, er ist u.a. die Stimme von Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere.
Das hilft ihm bei diesem Hörbuch m.E. aber auch nicht weiter. Seine Stimme mag ja markant sein, die Dichte des Romans kann er damit leider nicht wiedergeben. Gern hätte ich ihn in einer Hörspielfassung als Kommissar Erlendur Sveinsson gesehen, mit einem guten Cast an seiner Seite. Allein finde ich seine herbe Stimme verfehlt – ganz abgesehen davon, dass ich ja nicht wirklich auf einfach vorgelesene Romane stehe, ein Schauspieler sollte den Rollen schon einen eigenen Charakter verleihen.

Fazit
Naja, ich würd eher nen Wallander hören, wenn es schon skandinavisch sein soll. Wenn ihr aber Island- oder Björk-Fans seid, dann könnt ihr Indridason vielleicht mehr abgewinnen.