Autorenlesungen erlesen.tv: Neil Gaiman, Cornelia Funke, Harry Rowohlt

Cover: Autorenlesungen von erlesen.tvHeute: Erlesen.tv, Plat­tform für Autoren­le­sun­gen.

Über 100 ver­schiedene Autoren ste­hen vor der Kam­era und lesen aus ihren Büch­ern, 20–30 Minuten etwa dauert jede Auf­nah­me. Net­te Idee, gut umge­set­zt, hörens- und sehenswert.
Genau das treibt mich per­sön­lich treibt das dann um, dass die Autoren beim Lesen auch gefilmt wer­den. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Sprecher sehen will oder nicht. Ein­er­seits gibt das Video Ein­blicke in die Emo­tio­nen und die Lesart der Autoren. Ander­er­seits ist das Bild, das ich im Kopf habe, oft ein anderes als mir das Orig­i­nal präsen­tiert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Video mag…

Kurz zur Web­seite: ansprechen­des Design und über­sichtlich, die Bedi­enung kön­nte noch ein biss­chen verbessert wer­den. Nun eine Kurzkri­tik der ersten drei Lesun­gen:

Neil Gaiman: The Grave­yard Book
Lesung mit Neil Gaiman und Jens Wawr­czeck, 17:35 min, Wer­tung: ***

Ich bin ein Fan von Neil Gaiman, zugegeben, und seine Lesung war die erste, die ich auf erlesen.tv gehört habe. Gefiel mir, schön gele­sen, doch: lei­der zu kurz, um wirk­lich einen Ein­blick in das Grave­yard-Buch zu bekom­men, da die 17 Minuten Lesung sich aufteilen auf das sel­be Kapitel, gele­sen in deutsch sowie englis­ch. Da kann ich als Faz­it nur fest­stel­len: Neil Gaiman liest gut, auch Jens Wawr­czeck ist dem Buch gewach­sen — soweit man dies eben in unter acht Minuten beurteilen kann.

Cor­nelia Funke: Tin­ten­herz
Lesung mit Cor­nelia Funke und Rain­er Streck­er, 17:23 min, Wer­tung: *

Wenn man mal von der unglaublichen Naiv­ität von Tin­ten­herz absieht — also wer gute Bücher lesen will, soll­te Har­ry Pot­ter oder Dar­ren Shan, meinetwe­gen auch die Bis(s)-Bücher oder den Hob­bit lesen (aber vielle­icht bin ich ein­fach nicht die Ziel­grup­pe) — lesen Cor­nelia Funke und Rain­er Streck­er span­nend. Auch die Idee ein­er Lesung mit verteil­ten Rol­len finde ich gelun­gen, zumal Rain­er Streck­er wirk­lich fein liest — allerd­ings etwas nervös bei der Sache ist.
Der Auss­chnitt ist auch gut gewählt, macht Lust auf mehr — wenn ich Tin­ten­herz nicht schon gele­sen hät­te und auf keinen Fall die weit­eren Teile anfassen werde — nur über meine Leiche. Da fällt mir ein: Herr der Diebe fand ich gut und über­haupt nicht so naiv. Empfehlung also, Cor­nelia Funke gerne, aber nicht Tin­ten­herz. Auf keinen Fall. Punkt.

Har­ry Rowohlt: Pooh’s Cor­ner. Mei­n­un­gen eines Bären von geringem Ver­stand
Lesung mit Har­ry Rowohlt, 21:02 min, *****

Als let­zte Lesung für meine Rezen­sion habe ich mir Har­ry Rowohlt vorgenom­men, unzweifel­haft einen der besten Sprecher, die es da so gibt — zumal, wenn man absoluter Win­nie Pooh-Fan ist.

Pooh’s Cor­ner ist eine Samm­lung von Kolum­nen aus der Zeit, hat also nur indi­rekt etwas mit Win­nie the Poo zu tun. Das hat mich damals, als ich den ersten Pooh’s-Corner-Band erwarb, etwas ver­wirrt. War aber nicht schlimm, den gab’s im Anti­quar­i­at für den schmalen Taler. Das Buch ist ein kurzweiliges Leseereignis, in dem Har­ry Rowohlt schön iro­nis­ch und mit hin­ter­gründi­gen, nicht immer poli­tis­ch kor­rek­tem Humor vom Led­er zieht. Nichts Tief­gründi­ges also, aber ger­ade von ihm per­sön­lich gele­sen doch eine Ohren­wei­de.

Ich werde sicher noch die eine oder andere Lesung von erlesen.TV rezen­sieren, seid ges­pan­nt!

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